bookmark_borderLittle Inferno

Ich will die Welt brennen sehen!

Wenn man eine Bazillion Spiele auf Steam hat, ist es schon eine Auszeichnung für ein Spiel, wenn ich es überhaupt einmal gespielt habe, aber noch seltener kommt es vor, dass ich ein Spiel mehrmals spiele. Natürlich, es gibt ein paar, die ich öfters gespielt habe – Dragon Age: Origins habe ich zweimal direkt nacheinander gespielt, weil ich mit einer meiner Entscheidungen nicht zufrieden war, und kürzlich habe ich, um mich auf Return to Monkey Island vorzubereiten, noch mal The Secret of Monkey Island gespielt und den zweiten Teil, Something Something Monkey Island (ehrlich, wer kann die Titel noch auseinanderhalten?), angefangen.

Aber das sind Spiele, von denen wusste ich eigentlich immer, dass ich sie irgendwann noch einmal spielen würde. Nicht geplant war, noch mal zu einem Casual Game zurückzukehren, das ich vor neun Jahren innerhalb ein paar Stunden durchgespielt hatte – bis ich gestern gestgestellt habe, dass dieses Spiel bei mir doch einen schweren Eindruck hinterlassen hat, und das nicht nur, weil ich nach all den Jahren noch den Jingle davon als Ohrwurm habe. Und so spiele ich nun, während ich auf die Hardware meines neuen Rechners (Yay!) warte, zum zweiten Mal Little Inferno.

Little Inferno ist ein Spiel, bei dem man auf den ersten Blick nicht viel zu tun hat.… Weiterlesen “Little Inferno”

bookmark_borderSpiritfarer

Wir werden ein größeres Boot brauchen

Charon, der gute alte Fährmeister, der die Seelen der Toten ins Jenseits übersetzt, hat sich zur Ruhe gesetzt und selbst den Weg durch das Ewigtor angetreten, aber in der jungen Stella hat er eine würdevolle, wenn auch unerfahrene Nachfolgerin gefunden. So ist es nun an Stella, die Seelen auf ihr Schiff zu laden und sie zum Tor zu bringen – aber wenn ich dachte, in Spiritfarer pendelt man zwischen dem Ewigtor (Everdoor) und den Inseln, auf denen die Geister herumstehen, hin und her, habe ich mich geirrt. Ehe ein Geist das Tor durchschreitet, hat er nämlich noch eine ganze Menge zu erledigen. Und es ist an mir, ihnen dabei zu helfen – und die eine oder andere Quest zu erledigen, ehe die Guten überhaupt erst an Bord gehen.

Statt also Seele um Seele zum Ewigtor zu karren, sammelt man in den ersten Stunden des Spiels überhaupt nur drei Passagiere ein, und das sind allesamt alte Freunde, Bekannte, Verwandte von Stella, ein unerwartet freudiges Wiedersehen in Anbetracht der Tatsache, dass man ja nicht einfach so aus Vergnügen auf dem Schiff ins Jenseits landet. Und statt sich einfach übersetzen zu lassen, richten die sich erst einmal häuslich ein auf Stellas Schiff, sind mit dem Gästequartier nicht mehr zufrieden und verlangen eigene Häuschen, Arbeitsstätten, Gärten an Bord, als hätten sie nicht vor, uns jemals wieder zu verlassen.… Weiterlesen “Spiritfarer”

bookmark_borderCall of the Sea

Ich wollt ich wär unten im Meer …

1934. Norah und Harry Everhart sind einander in treuer Liebe verbunden – eine Liebe, die von Tragik überschattet wird. Norah leidet unter einer mysteriösen Krankheit, die sie schwächt und seltsame Flecken auf ihren Händen erscheinen lässt. Ihre Mutter ist bereits daran verstorben, und auch Norahs Lebenzeit scheint begrenzt, nichts scheint gegen die Krankheit zu helfen. Archäologe Harry, statt die Zeit zu genießen, die ihnen noch gemeinsam bleibt, setzt alles auf eine Karte und bricht mit einer Expedition auf, um eine Heilung für Norah zu finden – und, wie sollte es anders sein, geht dabei verloren. Jetzt bleibt Norah, statt sich zu schonen, nichts anderes übrig, als hinterher zu reisen, und so folgt sie, im Gepäck ihr Tagebuch und das seltsame Messer, das sie per anonymer Post bekommen hat, dem Mann in die Südsee. Dort, in der Nähe von Tahiti, wurde Harrys Expedition das letzte Mal gesehen – und dort soll sich auch Norahs Schicksal entscheiden …

Verschollene Expeditionen sind im Computerspiel ein alter Hut. Sie bewähren sich besonders im Walking Simulator, weil in diesen Spielen voller einsamen Landschaften und leeren Häusern üblicherweise keine Lebewesen angetroffen werden, nichts, was eine Animation erfordern würde, und Expeditionen ihre Fortschritte gern so akribisch dokumentieren, dass schön viele herumfliegende Dokumente eingesammelt werden können, aus denen man sich das Schicksal der Verschollenen zusammenreimen kann.… Weiterlesen “Call of the Sea”

bookmark_borderDetective Grimoire

Der Mörder ist immer das Sumpfding

Detective Grimoire ist irritiert. Mit dem Ruderboot wird er tief in den entlegenen Sumpf hinein gebracht, um dort den Mord am Besitzer einer Touristenattraktion aufzuklären. Eine Touristenattraktion in einem Sumpf? Aber es ist eben nicht irgendein Sumpf. Hier ist einmal vor 60 Jahren (und auch nur einmal vor 60 Jahren) Boggy erschienen, das kryptozoologische Ding aus dem Sumpf, und lockt seither die Schaulustigen an – und jetzt offenbar auch einen Mörder. Oder war es doch das mysteriöse Sumpfmonster selbst? Alle Spuren deuten darauf hin – aber Grimoire glaubt nicht an Boggy, und so lässt er keinen Stein auf dem anderen, keinen Verdächtigen unverhört, um dem Geheimnis auf den Grund zu gehen …

Am Samstag war ich in brüllender Hitze mit einer Gruppe Freunde in der Stadt auf Mördersuche, eine Mischung aus Online-Escaperoom und Schnitzeljagd, doch auch hier war leider der der Spaß zwar da, aber der Fall zu schnell gelöst. Bieten da Computerspiele da mehr Anspruch? Immerhin bieten sie viele Möglichkeiten, einen Fall in seiner ganzen Komplexität aufzuarbeiten. Aber so sehr ich Games mag, wo ich selbst in die Ermittlerrolle schlüpfen kann, habe ich noch nicht viele gefunden, die mich überzeugt haben. Ich mag Frogwares Sherlock Holmes-Spiele, und das war es dann praktisch auch schon, zu wenige Spiele, die ich ausprobiert habe, lassen mich wirklich Indizien zusammentragen, Zeugen vernehmen und eigene Schlüsse ziehen.… Weiterlesen “Detective Grimoire”

bookmark_borderNemezis – Mysterious Journey III

So ein Myst!

Man kennt das ja – kaum hat man ein Gerät entwickelt, um Menschen auf abgelegene Planeten zu teleportieren, schon kommen die Pauschaltouristen. Amia und Bogart wollen eigentlich nur ein paar erholsame Wochen auf dem exotischen Planeten Regilus verbringen, aber statt gemütlich aus dem Teleporter ins Hotel zu treten und Cocktails auf dem Sonnendeck zu schlürfen, werden sie, getrennt voneinander, sonstwo abgesetzt und müssen auf dem Weg zueinander – und zum Hotel – erst mal einen Haufen archaisch anmutender Maschinen in Bewegung versetzen, quietschende Tore öffnen, und sich mit einem Remote-Fremdenführer herumschlagen, dem noch nicht mal ein sehr argloser Fünfjähriger trauen würde. Soweit zum Einstieg in das heute angespielte Nemezis – Mysterious Journey III.

Ich habe Myst immer noch nicht gespielt. Seit 1995 habe ich mehrere Versuche gestartet, die erst an der Technik gescheitert sind, dann an mir selbst – ich komme in das Spiel einfach nicht rein. Ich weiß nicht, was es von mir will, und es fesselt mich nicht genug, um mich dann wirklich reinzufuchsen. Aber das heißt nicht, dass ich aufgegeben habe – oder das ich das Genre nicht mag, auf einer verlassenen Insel rumzulaufen und solange Dinge herumzurücken und zu -drücken, bis sich irgendwo irgendwas bewegt und ich weiterkomme ins nächste Gebiet.… Weiterlesen “Nemezis – Mysterious Journey III”

bookmark_borderTrainslation

Ich versteh nur Bahnhof!

Ich träume von U-Bahnen. Seit vielen Jahren geht das so, angefangen hat es noch in meinem Studium: Immer wieder finde ich mich in meinen Träumen in U-Bahn-Stationen wieder oder in U-Bahn-Zügen, die dann auch mal vom Kölner Ebertplatz direkt nach Basel fahren. Es sind keine schlimmen Träume. Ich fahre gerne U-Bahn. Aber das Motiv taucht wirklich so häufig bei mir auf, dass ich sogar Traumdeutungsbücher zurate gezogen habe, um herauszufinden, was mir das Unterbewusstsein da sagen will. Entweder leide ich darunter, dass mein Leben in zu festen Bahnen (auf Schienen) verläuft und will daraus ausbrechen. Oder ich mag einfach U-Bahnen wirklich gern. Und ich glaube, es ist letzteres. Ich habe diese Träume immer noch, und über zu viele fixe Strukturen in meinem Leben muss ich mich als freiberufliche Autorin, die nie weiß, was die Zukunft bringt, nun echt nicht beschweren.

Jetzt lebe ich in einer Stadt, die keine U-Bahn hat, und die nächstgelegene Großstadt auch nicht, und nur zum U-Bahn-Fahren fahr ich jetzt nicht nach Köln, so groß ist diese Leidenschaft auch wieder nicht. Aber ich freue mich, wenn ich ihr in einem Computerspiel nachgehen kann. Ich habe mich schon an Metro versucht (und bin an dem Versuch gescheitert, das Spiel auf Russisch zu spielen, weil dafür mein Russisch einfach noch viel zu schlecht ist).… Weiterlesen “Trainslation”

bookmark_borderStrange Horticulture

Mein kleiner Horrorladen

Der Lake District ist eine bezaubernde Gegend im Norden Englands. Ich war 1993 dort und habe schöne Erinnerungen daran – ich habe dort meinen ersten Steinkreis gesehen, und am Ulswater bin ich in einen Regenschauer geraten, wie ich ihn noch nie erlebt hatte (gut, das ist jetzt nicht die schönste aller Erinnerungen, aber es war wirklich ein bemerkenswerter Regen). Um so mehr freut es mich, diese hierzulande eher unbekannte Region in einem Computerspiel wiederzufinden. Strange Horticulture spielt in Undermere, einer fiktiven Kleinststadt, und man spielt die neue Besitzerin eines Blumenladens. Im Weitesten ist es also eine Shop-Simulation. Aber in Wirklichkeit ist dieses Spiel so viel mehr – und wichtiger als das virtuelle Verkaufstalent ist hier der detektivische Spürsinn.

Wirklich, ums Verkaufen muss man sich hier wirklich keine Sorgen machen. Wenn die Kunden was wollen, dann kommen sie schon vorbei, der Laden ist etabliert, auch wenn man erstmal mit einer kleinen Auswahl an Pflanzen startet. Die meisten Kunden sagen einem auch genau, was sie wollen – und wofür sie das Pflänzchen brauchen, schließlich hat jede Blume, jeder Pilz, jedes noch so struppige Kraut seine Wirkung oder zumindest eine Bedeutung in der Sprache der Blumen. Schwierig wird es nur dadurch, dass man selbst den Laden ja gerade erst geerbt hat und von den Pflanzen keine Ahnung, angefangen damit, welche welche ist.… Weiterlesen “Strange Horticulture”