4Elements

Nur noch ein Level, Papi …

Was ist heute nicht angekommen? Richtig, mein neuer Rechner. Morgen, sagt der Laden – auch wenn das System inzwischen zusammengebaut sein sollte, ein schwacher Trost. So sitze ich hier mit einem Stapel Spiele und einem alles andere als leistunsfähigen Laptop (ich sollte erwähnen, dass der Laptop ein ausgesprochen fähiger Arbeitslaptop ist, mit einer auf lange Tippsessions ausgelegten Tastatur, der nur darauf wartet, dass ich meiner schriftstellerischen Arbeit nachgehe … Nur zum Spielen ist er nicht der Beste. Und ich gerade, was das Arbeiten angeht, auch nicht so sehr). Also habe ich das getan, was mal das Hauptaugenmerk dieses Blogs werden soll: Mir aus der unüberschaubar langen Titelliste meiner Steam-Bibliothek blind ein Spiel rausgepickt (okay, ich habe gekniept – es sollte ja schon lauffähig sein). Gelandet bin ich bei einem Casual Game mit Namen 4 Elements. Und es war mir von Anfang an unsympathisch.

Erstmal, dieser Titel! Können die nicht »Four« schreiben? Soviel Zeit wär doch noch gewesen! Lernt man schon in der Grundschule: Zahlen unter dreizehn immer als Wort ausschreiben. Und Zahlen über dreizehn von mir aus auch gerne. Aber nein, die russischen Entwickler von Playrix haben es eilig. 4 Elements, also. Im Weitesten ein Vier-Gewinnt-Spiel, nur anders. Vor allem aber eingebettet in eine Rahmenhandlung, die es in sich hat – was die Zuckrigkeit angeht. Die Musik plätschert, eine Stimme säuselt, und der Bildschirm ertrinkt in Bonbonfarben und Schnörkeln. Irgendwas von Wegen Idylle gefährdet, Elementaltäre geschändet, oder so. Ich habe, zugegeben, nicht aufgepasst. Während das Spiel mir verzweifelt entgegenschrie: »Aber du bist meine Zielgruppe! Du bist doch eine Frau!«, war ich entschieden anderer Meinung.

Nicht totzukriegen: Tinkerhell, die nervige Tutorial-Fee

Was ich wollte, war ein kniffliges Rätselspiel, und 4Elements ist ein kniffliges Rätselspiel. Aber die Verpackung macht mich fertig. Während der ersten paar Level wuselte mir das Tutorial in Form der nervigsten Fee, die ich jemals irgendwo gesehen habe, ständig durchs Bild, laberte mich voll und ließ sich nicht abwimmeln, immer wenn ich sie wegklickte, kam sie wieder, bis es mir endlich gelang, das Tutorial so weit zu deaktivieren, dass sie mich zumindest während der Level in Frieden ließ – dazwischen taucht sie trotzdem immer wieder auf. Wirklich, ich habe nichts gegen märchenhafte Rahmenhandlungen, ich verlange nicht, dass sich spartanisch Level an Level reiht, obwohl mir das immer noch das Liebste ist. Aber diese Lisa Frank’sche Zielgruppenanbiederung geht mir zutiefst auf den Senkel. Ja, ein großer Teil der Casual Gamer sind Frauen. Aber wer nach dem Motto »Viel hilft viel« das Spiel unter Feenstaub und Zuckerguss begräbt, weil er denkt, Frauen packen nichts an, wo kein Regenbogen drauf ist … Davon bekomme ich höchsten Diabetes. Ich musste mich echt zwingen, nicht mitten im Intro das Spiel wieder zu beenden.

Das eigentliche Spiel hingegen – das ist knackig, originell, und hat einen hohen Suchtfaktor. Drei Arten von Spiel gibt es zu bewältigen: Wimmelbildszenen mit zerhäckselten Objekten, zunehmend schwerer werdende »Finde die Unterschiede«-Bilder, und die eigentlichen Level, bei denen man möglichste lange Ketten von gleichfarbenen Elementen verbindet, um sich ans andere Ende zu arbeiten – hoch, runter, Bomben zünden, Hindernisse freisprengen, und das Ganze gegen die Zeit, es macht wirklich, wirklich großen Spaß, und das nicht nur mir. Ich muss an dieser Stelle erwähnen, dass meine halbfertige Spielevorstellung gut zwei Stunden lang pausiert werden muss, weil mein Mann auch mal spielen wollte und dann nicht mehr aufhören mochte. Ich habe ihn gelassen, der Arme! Der Grund, warum ich gerade jetzt einen neuen Rechner bekomme, ist der, dass der meines Mannes am letzten Montag den Geist aufgegeben hat und wir uns entschieden haben, dass ich auch einen neuen bekommen soll, aber wo ich wenigstens noch meinen Laptop habe (und einen Desktoprechner ohne Festplatten), sitzt er seit über einer Woche auf dem Trockenen.

Vier Elemente gilt es wiederherzustellen, Erde, Feuer, Luft und Wasser; jedes Element hat sechzehn Level, und alle vier Level spielt man eine Buchseite frei, die einem einen typischen Bewohner dieser Welt vorstellt, der etwas mit dem Element zu tun hat. Dabei sind die Zuordnungen fragwürdig: Noch nie zuvor wurde mir ausgerechnet ein Greif als Vertreter der Erde vorgestellt, und für Feuer hätte ich jetzt nicht ausgerechnet einen Hochelfen erwartet. Dafür ist hübsch anzusehen, wie das Design der verschiedenen Juwelen/Perlen/Knüddelchen in den eigentlichen Leveln je nach Element variieren. Auch wenn das gelbe Juwel, zugegeben, im Erd-Layout fatal an eine Kartoffel erinnert. Passt immer noch besser zur Erde als ein Greif. Aber immerhin stört während der Level diese überbordende Farbigkeit nicht so sehr – da kommt das Spiel mit Rot, Gelb, Grün und Blau aus. Ohne Regenbogen.

Und jetzt stellt euch dieses Bildchen auf Full HD gezogen vor.

Dabei lässt die Graphik nicht nur vom Zuckergussfaktor her zu wünschen übrig. Es ist ärgerlich, dass oft relevante Teile der großen, komplexen Level nicht im Bild sind – weil das Spiel nur eine Auflösung von maximal 640×480 Pixeln beherrscht und das auch auf einem Full-HD-Display gnadenlos in die Breite zieht, statt die vorhandenen Pixel zu nutzen. Bei einem über zwanzig Jahre alten Spiel wie dem gestern gespielten Sam & Max kann ich das verzeihen – das Spiel stammt aus einer Zeit, als die frühen VGA-Graphikkarten üblicherweise noch nicht zu mehr in der Lage waren, und entspach dem Stand der damaligen Technik. Aber 4 Elements ist 2008 erschienen, zu einem Zeitpunkt, als es schon eine große Bandbreite an möglichen Auflösungen gab, 4:3-Monitore ausstarben, und kein Schwein mehr mit 640×480 unterwegs war. Keinerlei Optionen anzubieten außer »Vollbild« und »Windowed«, ist da vor allem eins: billig. Und für die Augen wird es, wirklich anstrengend: Entweder spielt man in einem verschwindend kleinen Fensterchen, auf das man sich schlecht konzentrieren kann, oder man starrt auf schwammige, verzerrte Pixel.

Ich kann, was Spielspaß, Wiederspielwert, Herausforderungsgrad angeht, 4 Elements durchaus empfehlen. Ich wollte ein Stündchen spielen, um hinterher drüber bloggen zu können, und habe jetzt stattdessen schmackelige sieben Stunden in meinem Steamkonto stehen, von denen ich selbst natürlich »nur« für fünf verantwortlich bin. Wer Casual Games mag und sich gerne klickenderweise durch ziemlich unübersichtliche Level arbeitet, die Hirnschmalz und Reaktionsvermögen erfordern, der ist mit diesem Spiel gut dran, das von Haus aus nur 3,99 EUR kostet und außerdem immer wieder im Wochenangebot oder den Sales nochmal für einen Bruchteil zu bekommen ist, gut bedient. Aber lieber Himmel, setzt euch eine Sonnenbrille auf! Sonst haut einem diese Klickibunti-Fee auch noch den Sehnerv k.o. Und es reicht schon, hinterher den ganzen Tag lang Rückenschmerzen zu haben, weil man fünf Stunden am Stück über den Laptop gebeugt Elemente verkettet hat.

Ein super Spiel. Aber nächstes Mal das ganze bitte mit einem Chemielabor-Hintergrund!

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